8 Herausforderungen der Hochsensibilität

…und wie du durch sie zurück zu dir selbst findest

Ist es dir schon einmal passiert, dass du während eines Films die ganze Farbpalette deiner Gefühle erlebt hast? Von ausgelassenem Lachen bis hin zu tief verzweifelter Traurigkeit, während deine Freundin einfach nur daneben saß und dich ungläubig angeschaut hat? Oder dass dir das Weltgeschehen tagelang schwer nachhängt, während die anderen unbeschwert ihren Alltag leben? Und du fragst dich, ob irgendetwas nicht mit dir nicht stimmt – du scheinst so anders zu sein…

Zunächst einmal möchte ich dir sagen: Es ist vollkommen in Ordnung und sogar wichtig, diese starken Emotionen oder detailreichen Wahrnehmungen anzuerkennen und zuzulassen. Denn gerade wir wahrnehmungsstarken Personen haben den Wunsch nach gesellschaftlicher oder sozialer Zugehörigkeit sehr stark ausgeprägt und würden die Herausforderungen unserer Hochsensibilität am liebsten wegzaubern, nur um ein normales Leben wie die anderen zu führen. Doch unsere Wahrnehmung und die daraus entstehenden Emotionen sind nun einmal Teil von uns und lassen sich nicht einfach abschütteln.

In diesem Artikel möchte ich näher auf die 8 größten Herausforderungen hochsensibler Menschen eingehen, wie du mit ihnen umgehen kannst und warum sie gleichzeitig ein großes Potenzial mit sich bringen.

Die 8 Herausforderungen hochsensibler Menschen

Das Persönlichkeitsmerkmal der Hochsensibilität bringt viele verschiedene Eigenschaften mit sich, die du als wahrnehmungsstarke Person in den unterschiedlichsten Bereichen entdecken kannst. Diese Eigenschaften können dein Leben unheimlich bereichern und gleichzeitig werden wir dadurch oft vor Herausforderungen gestellt, die unser Umfeld aus eigener Erfahrung nicht nachempfinden kann.

Schnellere Müdigkeit und Erschöpfung

Durch unsere facettenreiche Wahrnehmung gelangen Reize oftmals ungefiltert in unser System. Hirnscans zeigen sogar, dass bei Hochsensiblen bestimmte Hirnareale deutlich aktiver sind und deutlich länger für die Reizverarbeitung brauchen. Wir nehmen mehr wahr und verarbeiten auch intensiver.

Diese hohe Aktivität unseres Gehirns kann bei zu viel Stress oder reizintensiven Erlebnissen schneller zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. Bei Menschen, die nicht über die Eigenschaft der Hochsensibilität verfügen, werden somit bestimmte Reize schon von vorneherein gefiltert, wodurch sie gar nicht erst verarbeitet werden müssen und somit das Nervensystem auch nicht zu arg strapaziert wird.

Daher ist es kein Grund, sich schlecht zu fühlen, wenn du dich schneller erschöpft fühlst oder mehr Ruhe benötigst als beispielsweise deine Freundin. Baue dir einfach Zeit für dich in deinen Tagesablauf oder auch in die jeweilige Woche ein. Gerade, wenn es mal stressig wird (und so ist unser Leben nun mal ab und zu), ist es wichtig, dass du dir kleine Auszeiten einplanst.

Komplexe und zeitintensive Verarbeitung

Unsere moderne Welt ist mittlerweile so reizüberflutet, dass gerade wir wahrnehmungsstarken Personen schneller an unsere Grenzen kommen und deutlicher merken, wann wir eine Pause brauchen.

Doch gerade das kann uns in einer leistungsorientierten und schnelllebigen Gesellschaft auch zu Vorbildern machen, indem wir uns bewusst Zeit für die Verarbeitung und Regeneration nehmen. Indem wir Achtsamkeit und Selbstfürsorge vorleben, statt uns ständig von den Informationsfluten überrollen zu lassen. Indem wir zeigen, dass Pausen zum Prozess gehören und Ruhe und Stille wichtig für unsere Gesundheit sind.

Für Dich noch ein Tipp: Achte auch darauf, wieviel Nachrichten du konsumierst und wie viel Zeit du am Handy verbringst. All das lässt deinen Wahrnehmungsspeicher volllaufen und will verarbeitet werden. Deswegen gilt grundsätzlich: Weniger ist mehr.

Fehlende Leichtigkeit durch ständiges Vergleichen

Wie wir unsere erhöhte Wahrnehmung bewerten, hängt in der Regel davon ab, wie wir aufgewachsen sind und sozialisiert wurden. Hast du als Kind oft gehört, dass du zu empfindlich bist, wirst du dich wahrscheinlich auch im erwachsenen Alter versuchen anzupassen, wodurch dir das Leben oft als Kampf erscheinen mag.

Hast du von deinem Umfeld aber immer gespiegelt bekommen, dass du genauso richtig bist, wie du eben bist, dann wird dir der Umgang mit deiner Hochsensibilität vermutlich leicht fallen.

Wie auch immer es ist – es ist nie zu spät, Muster aus der Kindheit zu durchbrechen und Glaubenssätze umzuschreiben, damit du vollkommen zu dir selbst findest und dich mit all deinen Facetten lieben lernst. Menschen sind verschieden und dürfen verschieden sein. Es gibt keine Regel, wie du zu sein hast. Schaue, was dir guttut, woran du Freude hast und gestalte so dein Leben – ohne das ständige Vergleichen.

Aufsaugen von Stimmungen und Gefühlen anderer

Hochsensibel bedeutet auch, dass wir sehr feinfühlig für die Stimmungen und Emotionen anderer Menschen sind. Das ist und bleibt eine große Herausforderung, weil wir erst lernen müssen, unsere eigenen Gefühle von denen der anderen zu unterscheiden und abzugrenzen.

Doch hierfür gibt es wundervolle Tools und Techniken, wie beispielsweise Atemübungen oder Visualisierungen, die dir helfen, bei dir zu bleiben und nicht in den äußeren Wahrnehmungen zu verschwimmen. Sage dir beispielsweise innerlich „Ich bin ich und du bist du“. So einfach dieser Satz daher kommt – er kann sehr wirkungsvoll sein. Spüre in Situationen, in denen du von den Gefühlen anderer scheinbar überrollt willst, intensiv in deinen Körper hinein, nimm deine Atmung wahr, deinen Rücken, deine Füße. So füllst du dich ganz mit deiner Wahrnehmung und bleibst bei dir.

Schwierigkeit, Grenzen zu setzen und Verantwortung abzugeben

Als hochsensible Personen streben wir nach Harmonie, weil Spannungen oder spürbare Konflikte für unser Nervensystem nur schwer aushaltbar sind. Deshalb neigen wir dazu, jegliche Verantwortung zu übernehmen und immer zu schauen, dass es unserem Umfeld gut geht. Nur leider vergessen wir dabei oft unser eigenes Wohl und überschreiten unsere Grenzen.

Hierbei dürfen wir lernen, die Verantwortung auch bei anderen zu lassen und den Fokus mehr auf unser eigenes Wohl zu lenken. Denn nur so entstehen gesunde Beziehungen. Du bist nicht für alles und jeden verantwortlich. Du darfst nein sagen und für dich sorgen. Andere machen das auch.

Hohe Anforderungen an uns selbst

Durch unsere erhöhte Wahrnehmung nehmen wir alles intensiver wahr und das gilt sowohl für die positiven als auch die negativen Dinge. Das führt allerdings zu einem ausgeprägten Hang zum Perfektionismus und zu hohen Anforderungen an uns selbst. Denn misslungene Ergebnisse stören uns deutlich mehr als andere und Erfolge hingegen machen uns viel glücklicher. Zudem haben wir durch unsere starke Anpassung auch Angst vor negativem Feedback. So wollen wir Fehler auf jeden Fall vermeiden und möglichst immer alles richtig machen. Und das ist überhaupt nicht möglich.

Ein achtsamer Blick für Ästhetik und Genauigkeit ist auf keinen Fall verwerflich, nur sollten wir darauf achten, dass unser Hang zum Perfektionismus nicht zwanghaft wird und uns in unserem Tun einschränkt. Gut ist in den meisten Fällen gut genug. „Better done than perfect“ ist auch ein wunderschönes Motto, das dir helfen kann, den Perfektionismus loszulassen.

Geringer Selbstwert und People Pleasing

Wenn wir erst einmal erkennen, dass unser Nervensystem mehr Ruhe und Regenration benötigt, kann das schnell dazu führen, dass wir uns im Vergleich mit anderen Menschen weniger wertvoll fühlen. Wir verfügen über ein anderes Maß an Energie und verfolgen andere Werte. Doch gerade weil wir einen ausgeprägten Drang nach Verbundenheit haben und dazu gehören möchten, kann das zum sogenannten People Pleasing und dem Überschreiten unserer Grenzen führen. Wir haben den Wunsch, mitzuhalten und uns nicht ausgeschlossen zu fühlen.

Hierbei ist ganz wichtig, dass du beginnst, dich selbst mitsamt deiner wahrnehmungsstarken Ausprägung zu akzeptieren und lieben zu lernen. Vor allem eine liebevolle Begleitung durch Coaching unterstützt dich darin, alte Verletzungen zu heilen und deinen Selbstwert wieder aufzubauen. Lebe nach dem Motto „Qualität statt Quantität“, denn wir können Dinge, Erlebnisse so intensiv wahrnehmen und uns so besonders daran erfreuen, dass das unser Leben sehr bunt und funkelnd macht. Wir brauchen einfach gar nicht so viel Verschiedenes.

Tiefgründigkeit und spirituelles Verständnis

Durch unsere komplexe Innenwelt und die starke Anbindung an die Natur, spüren wir die spirituellen Zusammenhänge viel stärker als unser Umfeld. Gleichzeitig besitzen wir dadurch eine ausgeprägte Tiefgründigkeit und kommen mit Oberflächlichkeiten nicht gut klar.

Das ist jedoch nichts, was du infrage stellen solltest. Denn als wahrnehmungsstarke Person verfügst du über eine intensive Verbindung zur Natur und zu dir selbst – und das ist eine große Kraftquelle für dich, die dir viel Lebensfreude schenken kann. Damit bist du auch ein Vorbild für die viel zu schnelllebige Welt und darfst gerade diese Eigenschaft leben und vielleicht sogar ein wenig stärker nach außen tragen, wenn du dich damit wohl fühlst. Wichtig ist hier, dass du ein passendes Umfeld hast, Freundinnen und Freunde, die die Tiefgründigkeit ebenfalls lieben und mit denen du dich austauschen kannst.

Herausforderungen sind immer eine Chance für Wachstum

Auf den ersten Blick empfindest du die Herausforderungen, die mit deiner Hochsensibilität in Verbindung stehen, möglicherweise als störende Last. Doch im Grunde besitzt du genau das, was vielen Menschen heutzutage verloren gegangen ist: Eine innere Stimme, die dir genau mitteilt, was richtig und falsch für dich ist. Eine tiefe Anbindung an dich und die Natur. Und eine tiefgründige Spiritualität, die dich zurück zu deinem wahren Kern bringt.

In dem Begriff „Herausforderung“ steckt auch das Wort „fordern“. Jede dieser Herausforderungen hat somit eine zweite Seite und fordert dich heraus, genauer hinzuschauen. Statt dich über die Gegebenheiten zu ärgern, schau doch lieber, was du daraus für dich lernen kannst. Wie kannst du dadurch noch mehr zu dir selbst finden und dir ein Leben nach deinen Werten und Bedürfnissen aufbauen? Was brauchst du, damit es dir gut geht und du dein Leben genießt? Inwiefern will dir das Leben auf diese Weise vielleicht etwas zeigen? Und wie kannst du damit möglicherweise sogar dein Umfeld inspirieren?

Die Hochsensibilität ist keine Bürde, die dir auferlegt wurde, sondern eine Eigenschaft, die dir mitgegeben wurde. Und es liegt an dir, auf welche Weise du sie betrachtest.

Finde deinen individuellen Weg

Trotzdem ist es mir noch ein Anliegen, dir zu sagen, dass du einzigartig bist und deinen eigenen Weg finden darfst. Hochsensibel bedeutet nicht gleich hochsensibel und vielleicht belasten dich bestimmte Dinge mehr und mit anderen kannst du hingegen lockerleicht umgehen. Und gleichzeitig hast du noch viele weitere Eigenschaften als „nur“ die Hochsensibilität.

Deshalb ist es ganz wichtig, dass du auf dich und dein Gefühl hörst und so lernst wieder deiner inneren Stimme zu folgen. Wenn du dir dabei eine individuelle Begleitung wünschst, in der wir dir gemeinsam ein Leben nach deinen Bedürfnissen erschaffen, dann melde dich gerne für ein kostenloses Kennenlerngespräch bei mir.

Deine Lisa!