Hochsensibilität und Nein sagen

3 Voraussetzungen, damit Du endlich Grenzen setzen und Nein sagen kannst

Stell dir vor, du sitzt nach einem langen Arbeitstag erschöpft zu Hause. Du freust dich auf Zeit für dich, auf Ruhe. Da klingelt das Telefon, und auf dem Display siehst du den Namen einer lieben Freundin. Eigentlich möchtest du jetzt nicht telefonieren, doch du atmest tief durch und nimmst den Anruf entgegen. Ihre Stimme klingt aufgeregt, und sie möchte Dir unbedingt von ihrem letzten Date erzählen.

In diesem Moment spürst du eine Mischung aus Überforderung, Pflichtgefühl und dem Wunsch, für deine Freundin da zu sein. Was tust du? Wahrscheinlich, wie so oft, hörst du ihr zu, versuchst eine gute Freundin und Gesprächspartnerin zu sein.

Kennst du das? Dieses Gefühl, dass es schwer ist, Nein zu sagen, selbst wenn du innerlich “Stopp!” schreist? Du bist damit nicht allein.

Warum ist Nein sagen für hochsensible Menschen so schwer?

Sensible, empathische Menschen tragen eine besondere Gabe in sich – die Fähigkeit, tief zu fühlen und sich intensiv in andere hineinzuversetzen. Diese Empathie ist eine wunderbare Qualität, sie kann jedoch auch zu einer Herausforderung werden, besonders wenn es darum geht, Nein zu sagen und unsere eigenen Bedürfnisse vor die Bedürfnisse anderer zu stellen. Hier liegt oft das Dilemma: Die Angst davor, andere zu enttäuschen oder zurückzuweisen, kombiniert mit dem Wunsch nach Harmonie und dem Streben danach, anderen zu gefallen. Sensible Menschen haben oft gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um die Bedürfnisse anderer zu erfüllen. Vielleicht fragst du dich noch, ob du hochsensibel bist? Dann mache den Test für Hochsensibilität und erhalte auch hilfreiche Impulse.

Hochsensibilität bringt eine erhöhte Wahrnehmung mit sich. Du spürst nicht nur deine eigenen Emotionen intensiver, sondern auch die der Menschen um dich herum. Deswegen ist es für dich ein besonderes Bedürfnis, dass sich andere wohl fühlen. Denn wenn nicht, würdest du ihre negativen Gefühle auch wahrnehmen. Und so sagst du oft ja, wenn du eigentlich nein meinst. Die Angst vor der enttäuschten Reaktion des anderen wird verstärkt, weil du die Emotionen des anderen so stark fühlst. Es ist ein Balanceakt zwischen den eigenen Bedürfnissen und dem Wunsch, eine harmonische Umgebung aufrechtzuerhalten.

Welche Voraussetzungen helfen Dir nun, endlich Nein sagen zu können?

Lerne deine Grenzen zu spüren

Meine Klientinnen sagen mir oft, dass sie ihre Grenzen gar nicht mehr richtig spüren. Wann ist es genug, wann ist es zu viel, wann sollte ich nein sagen? Da wir feinfühligen Menschen so oft im Außen sind, mit unseren Fühlern wie mit einem Radar andere Menschen, Situationen abscannen, verlieren wir den Kontakt zu uns und nehmen uns selbst nicht mehr richtig war.

Für hochsensible Menschen ist es wichtig zu lernen wieder bei uns zu sein, unseren Körper zu spüren, unsere Reaktionen wahrzunehmen. Nur so können wir beginnen für uns zu sorgen und uns auf den Weg machen gesunde Grenzen zu setzen.

Erinnere dich an ein letztes Erlebnis, als deine Grenzen übertreten wurden. Denke an einen vergleichbaren Moment. Spüre, wo sich das in deinem Körper widerspiegelt. Ein Druck in der Brust? Ein Kloß im Bauch? Speichere dir das Gefühl ab – so fühlt es sich an, wenn du Nein sagen solltest. Nimm dir vor, dieses Gefühl immer mehr bewusst wahrzunehmen und immer früher zu entdecken, damit du dann entsprechend reagieren kannst.

Lerne deine Ängste kennen

Wenn wir etwas verändern wollen und uns diese Veränderung schwerfällt, ist es wichtig, dass wir unsere Ängste entdecken und kennenlernen. Warum fällt es dir schwer, Nein zu sagen? Welche Ängste halten dich zurück? Zurück zu unserer Situation: Bist du vielleicht besorgt, dass deine Freundin enttäuscht sein könnte oder eure Freundschaft darunter leidet? Hast du eine strenge Stimme in dir, die dir sagt: Als gute Freundin ist man immer füreinander da?

Lerne deine Ängste kennen und frage dich: Was befürchtest du? Warum wäre das schlimm? Ist diese Befürchtung realistisch? Könnte es auch anders sein?

Nimm Dich und Deine Bedürfnisse ernst

Nun zur vielleicht wichtigsten Voraussetzung: Du musst erkennen, dass deine Bedürfnisse wichtig sind. In dem Moment, in dem du Nein sagst, stehst du für dich selbst ein. Du nimmst dich und deine Wünsche ernst. Niemand anderes ist dafür verantwortlich. Niemand sonst wird dir diese Aufgaben abnehmen. Das mag etwas hart klingen, ist aber vielleicht ein Weckruf für dich. Es ist deine Aufgabe für dich zu sorgen und du darfst das.

Was dir dabei helfen kann? Stelle dir vor, wie du in 12 Monaten erfolgreich Grenzen setzt. Wie fühlt es sich an? Wie strahlst du? Frage dein Zukunfts-Ich nach den Erfolgsgeheimnissen. Nimm diese Erkenntnisse mit und verbinde dich mit deinem Zukunfts-Ich, gerade wenn du damit haderst Nein zu sagen.

Auch hochsensible Menschen dürfen Nein sagen

Wie fühlst du dich jetzt? Hast Du Lust für dich loszugehen, für dich einzutreten? Welche nächste Situation fällt dir ein, in der du mal Nein sagen üben kannst? Bereite dich schon jetzt darauf vor und überlege dir, was du dann sagen könntest. Übrigens: Im nächsten Beitrag schenke ich dir konkrete Übungen und Formulierungen, die dir das Nein-Sagen erleichtern.

Wenn es dir noch schwerfällt, für dich einzustehen, vielleicht auch, weil du an dir selbst zweifelst, begleite ich dich gerne. In meinem Coaching-Programm „Lebe Deine sanfte Stärke“ üben wir auch Nein zu sagen, schauen uns deine Bedürfnisse an und stärken deinen Selbstwert. Damit du endlich das Leben lebst, das dir gut tut und du deine Entscheidungen treffen kannst. Schreib mir gerne, wenn du mehr wissen möchtest oder vereinbare jetzt ein kostenloses Gespräch, damit wir uns ein wenig kennenlernen können.

Alles Liebe,

Deine Lisa!